Internationale Akademie zur Humanisierung der Bildung (Geschichte)

Reinhard Golz

Die Internationale Akademie zur Humanisierung der Bildung (IAHE)1:

Erinnerungen an die Zeit vor, während und nach ihrer Gründung


  1. Magdeburg (Deutschland) und Biysk (Russland): Geburtsstätten der IAHE

Es war ein intensiver Arbeitstag an der Pädagogischen Hochschule Magdeburg im September 1992. Ich hatte meine Vorbereitungen auf die Lehrveranstaltungen für das bevorstehende Wintersemester abzuschließen, ein Zeitschriftenartikel musste noch korrigiert werden, verschiedene Arbeiten der akademischen Selbstverwaltung waren zu erledigen. Insofern war an dem Tag nichts Besonderes. Und dennoch unterschied sich die Situation an einer ostdeutschen Hochschule auch etwa drei Jahre seit dem Zusammenbruch der DDR noch immer sehr von derjenigen an westdeutschen Einrichtungen. Ungewissheiten und Verunsicherungen hinsichtlich des Fortbestehens der Pädagogischen Hochschule Magdeburg und speziell der Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter des Instituts für Erziehungswissenschaft hatten sich verringert. Inzwischen waren auch neue Strukturen in Lehre, Forschung und akademischer Selbstverwaltung entstanden. Aber die tägliche Arbeit war noch immer von diversen inhaltlichen und personellen Problemen dieses anhaltenden Transformationprozesses zusätzlich geprägt.2

Das Besondere an dem besagten Tag war jedoch, dass sich ein mir bis dahin unbekannter Bildungswissenschaftler aus der damals gerade in Auflösung befindlichen Sowjetunion angekündigt hatte, um ein Gespräch über Kooperation in Lehre und Forschung zu führen. Der Kollege erschien in Begleitung eines Offiziers der (noch bis 1994 in Ostdeutschland stationierten) Roten Armee. Der Offizier hatte ihm den Weg zur Pädagogischen Hochschule gewiesen und sollte zugleich als Dolmetscher fungieren. Letzteres erwies sich als überflüssig; wir hatten ein mehrstündiges Gespräch in Russisch, was auch deshalb schnell zielgerichtet, direkt und ergebnisorientiert3 geführt wurde und sich als Beginn einer nunmehr zwanzigjährigen belastbaren Freundschaft erweisen sollte. Bei dem Gast handelte es sich um den damaligen Prorektor des Staatlichen Pädagogischen Instituts Biysk (Sibirien; Altai-Region), Dr. Michail N. Berulava, Professor für Pädagogik. Im folgenden wird sein Name – auch im Zusammenhang mit meinem Arbeitsbereich an der PH Magdeburg (seit 1993 Universität Magdeburg) - häufiger zu nennen sein.

  1. Eine Konferenz im sibirischen Biysk und ihre Folgen

Im September des Jahres 1993 war ich der Einladung von M.N. Berulava zu einer von ihm organisierten Konferenz an der Pädagogischen Universität Biysk gefolgt. Die Reise in die nahe der chinesischen Grenze gelegene sibirische Stadt ist mir aus verschiedenen Gründen besonders erinnerlich. Ich war schon in den Jahren zwischen 1970 und 1992 mehrfach in die Sowjetunion gereist. Meine damaligen Erfahrungen mit dem dortigen öffentlichen Verkehrswesen würde ich nicht als schlecht bezeichnen. Zumindest fand ich die Bedingungen im sowjetischen Flugverkehr wenn nicht eben hervorragend, so doch eher gut bzw. erträglich. Nach dem Zerfall der Sowjetunion schien sich die Situation allerdings gravierend zu ändern. In dieser zum Teil chaotischen Übergangszeit waren Defizite an Berufsethos und Engagement mancher Mitarbeiter an bisherigen staatlichen Einrichtungen spürbarer geworden. Es entstand der Eindruck, dass zum Beispiel Bereiche des Flugwesens nicht immer in verlässliche private Hände übergegangen waren und sowohl technisch als auch hinsichtlich des Service vernachlässigt wurden. Mehrere Beispiele könnten aus eigener Erfahrung angeführt werden.

Die genannte 1993er Konferenz in Biysk war über Moskau und Barnaul (Sibirien) zu erreichen. Auf dem Moskauer Flughafen Vnukovo wartete ich mit den anderen Fluggästen auf den Einstieg in die Maschine nach Barnaul. Offensichtlich verzögerte sich das Einsteigen, weil die Besatzung noch nicht vollständig anwesend war. Schließlich kam der Pilot, passierte die Reihe der wartenden Passagiere zwar noch aufrechten Schrittes, aber doch wohl nicht ganz nüchtern, um sich in seine Kabine zu begeben. Die kleinen Überraschungen während des Fluges, wie etwa defekte Sitzlehnen usw., sollen hier nicht weiter erörtert werden. Unter solchen Umständen nimmt man natürlich auch die sonst normalen Flugturbulenzen anders wahr.

Ich war jedenfalls auf dem Flughaven Barnaul gelandet. Nun galt es herauszufinden, wie man in das etwa 200 km entfernte Biysk gelangt. Weder Zug- noch Busverbindungen standen zeitnah zur Verfügung. Nach kurzem Überlegen entschied ich mich, ein Taxi für diese Strecke zu nehmen. Auf dem Flughafen war ich bereits mit drei russischen Teilnehmern der Konferenz ins Gespräch gekommen; wir hatten also den gleichen Weg. Ich lud Sie ein, mit mir im Taxi nach Biysk zu fahren. Dort kamen wir nach einer mehrstündigen Fahrt 'über Stock und Stein' mehr oder weniger wohlbehalten an. Meine drei Mitfahrer fragte ich nicht nach einer eventuellen Beteiligung an den Taxikosten, sie kümmerten sich, ohne Abschiedsgruß und Dank, sofort nach unserer Ankunft um ihre Hotelunterkunft; ich habe sie fortan nicht mehr gesehen.

Auf dem Weg zu meinem Hotelzimmer wurde ich unbeabsichtigt Zeuge eines für mich interessanten Gesprächs. Zwei junge Russen, wie sich herausstellte, Mitarbeiter des Pädagogischen Insituts Biysk und beauftragt, die ausländischen Gäste zu betreuen, unterhielten sich über ihre Aufgaben während der Konferenz. Sie hielten mich wohl für einen Landsmann, zogen nicht in Betracht, dass ich einer jener Ausländer sein könnte. Einer erzählte dem anderen, dass er für einen gewissen Dr. Reinhard Golz aus Magdeburg in Deutschland als Betreuer zuständig sei. Er wisse aber nicht, ob der überhaupt komme, und wenn ja, auf welchem Weg. Er war sich unsicher, ob er noch nach Barnaul fahren und ihn abholen solle, obwohl dessen Ankunft inzwischen eher fraglich sei. Ich erlöste ihn aus seiner Not, indem ich mich in Russisch vorstellte. Es handelte sich um Oleg Zajakin, den ich später – gemeinsam mit Prof. Rudolf W. Keck (Universität Hildesheim) – wissenschaftlich betreute, und der 2003 bei mir in Magdeburg promovierte4. Unsere fast 20 Jahre währende Kooperation und freundschaftliche Verbundenheit wird sich künftig auch im Rahmen von Übersetzungsprojekten erweitern.

Während der Konferenz in Biysk hatte ich auch ein erstes Gespräch mit dem späteren Präsidenten der in Moskau ansässigen Russischen Akademie der Bildung, Professor Nikolay D. Nikandrov, über bildungspolitische Entwicklungen in den Transformationsprozessen Russlands und Ostdeutschlands. Mein wissenschaftliches Interesse an historischen und aktuellen bildungswissenschaftlichen Entwicklungen in Russland verstärkte sich nicht nur durch seine Arbeiten, sondern auch diejenigen anderer Repräsentanten dieser Akademie, z.B. die Professoren Vladimir P. Borisenkov, langjähriger Chefredakteur der größten (sowjetischen, später russischen) pädagogischen Zeitschrift „Pädagogik“ (Педагогика) und gegenwärtiger Präsident der „Internationalen Slawischen Akademie der Bildung“, die ihren Hauptsitz in Tiraspol (Molawien; Pridnestrovye) hat sowie Volodar V. Krajevskiy, einer der wichtigsten russischen Bildungstheoretiker dieser Zeit. Im Jahre 1999 wurde ich – gemeinsam mit Kollegen R.W. Keck zum Internationalen Mitglied der Russischen Akademie der Bildung gewählt.

  1. Theoretische Diskussionen im unmittelbaren Vorfeld der IAHE-Gründung

Nach der Konferenz in Biysk blieben M.N. Berulava und ich in ständigem Kontakt. In dieser Zeit war bei ihm offensichtlich der Gedanke gereift, dass die Zusammenarbeit zwischen uns auch in einem größeren internationalen Kontext weiterentwickelt und schließlich auf eine institutionalisierte Grundlage gestellt werden könnte. Wir kamen darin überein, unsere bisherigen Kooperationspartner aus Russland und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion sowie aus Polen, Tschechien, Ungarn, Bulgarien und anderen postsozialistischen Ländern mit dieser Idee vertraut zu machen und sie möglichst rasch zu verwirklichen. Aus wissenschaftlichen und organisatorischen Gründen, vor allem aber wegen der spezifischen Erfahrungen des Transformations- und Einigungsprozesses in (Ost-)Deutschland war es dafür erforderlich, nicht nur die Unterstützung ostdeutscher Institutionen und Kollegen zu gewinnen (sofern diese nach der politischen Wende durch diverse Evaluierungen und Abwicklungen überhaupt noch zur Verfügung standen), sondern auch westdeutsche Hochschullehrer mit entsprechender Erfahrung und Interesse an einer solchen internationalen Kooperation. Neben anderen zeigten sich z.B. die Professoren R.W. Keck (Universität Hildesheim), H. Retter und W. Eisermann (beide Universität Braunschweig) und W. Wiater (Universität Augsburg) aufgeschlossen gegenüber dieser Idee. W. Wiater und R.W. Keck waren bereits aktiv in den Prozess der demokratischen Umgestaltung des ostdeutschen Hochschulwesens eingebunden. H. Retter war uns durch Forschungsprojekte zur Rezeption der Reformpädagogik Peter Petersens in Osteuropa5 bekannt, und bei W. Eisermann spielten auch biographische Bezüge eine Rolle für seine Zusage. Seine lesenswerte Autobiographie enthält viele Erinnerungen an seine Russlanderfahrungen als Soldat im Zweiten Weltkrieg sowie auch interessante Details seiner Reisen im Kontext der IAHE-Aktivitäten und seiner Begegnungen mit den russischen Kollegen.6

Berulava wollte einen internationalen Zusammenschluss von Bildungswissenschaftlern in Form einer teils öffentlich geförderten, aber auch durch private Initiativen getragenen freien Forschungs- und Bildungseinrichtung mit dem Hauptziel, zur Neuorientierung der Bildung auf freiheitlicher und sozial verantwortlicher Grundlage in den Transformationsländern beizutragen. Gegen Ende der Sowjetunion, noch in der Zeit Gorbatschows und seiner Politik der Perestrojka und Glasnost war bereits die Forderung nach „Humanisierung und Demokratisierung“ des gesellschaftlichen Lebens und besonders der Bildung in die öffentliche Reformdiskussion eingegangen. Damit verbunden war auch eine Art Renaissance der nationalen (russischen) und internationalen Reformpädagogik.7

Der Vorschlag Berulavas zur Gründung einer „Internationalen Akademie zur Humanisierung der Bildung“ wurde nun - nach dem Zusammenbruch des Sowjetsystems und den damit verbundenen widersprüchlichen Entwicklungen und Orientierungen im Bildungsbereich – aktueller denn je, und er wurde schließlich zu einem der wichtigen Tagesordnungspunkte einer internationalen Konferenz, die im November 1994 unter meiner Leitung an der Universität Magdeburg stattfand und „Pädagogik in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche ...“ thematisierte. Die Teilnehmer kamen aus Estland, Lettland, Polen, Tschechien, Russland, Japan und Deutschland. Eigentlicher Ausgangspunkt war ein gewachsenes Interesse an historischen und aktuellen pädagogischen Entwicklungen in den östlich von Deutschland gelegenen Ländern Europas, also der Region mit den gravierendsten gesellschaftlichen Veränderungen. Im Mittelpunkt standen die Fragen, was mit der Pädagogik in gesellschaftlichen Umbruchzeiten geschieht, wie sich ihre Beziehung zu Traditionen und Innovationen im nationalen und internationalen Kontext gestaltet, welche Rolle die Erfahrungen der Reformpädagogik (Progressive Education) in aktuellen Diskussionen zur Reformierung der Pädagogik spielen?

Wir haben über dreißig Beiträge, die auf dieser Magdeburger Konferenz gehalten wurden, in einem Sammelband veröffentlicht.8 Darunter befindet sich auch der Beitrag von M.N. Berulava (in Kooperation mit Konstantin Koltakov und Oleg Sajakin). Hier und an anderer Stelle hatte Berulava eines seiner wichtigsten Anliegen erläutert, das sein pädagogisches und bildungspolitisches Denken und Handeln seit dem mitbestimmt: Humanisierung der Bildung durch Integration der Bildungsinhalte9.

Bereits während dieser Konferenz zeigte sich, dass die Forderung nach „Humanisierung der Bildung“ kontroverse Diskussionen und definitorische Fragen provozierte und wohl auch nach wie vor provoziert. Diese Diskussionen wurden später in Artikeln reflektiert, und es wurde unter anderem auch auf historische Aspekte einer Humanisierung der Bildung verwiesen10. In diesem historischen Kontext war auch die internationale Reformpädagogik zu berücksichtigen. Ganz offensichtlich zielten die Postulate mehrerer Richtungen reformpädagogischen Denkens auf eine Humanisierung der Bildung, vor allem auf dem Hintergrund eines Wandels von einer Pädagogik 'vom Lehrer aus' zu einer Pädagogik 'vom Kinde aus'. Unabhängig von den differierenden Auffassungen z.B. zum Verhältnis von Individualität und Sozialität, Tätigkeit und Persönlichkeitsentwicklung usw. stehen dafür Namen wie Tolstoj, Key, Gurlitt, Montessori, Gansberg, Korczak, Decroly, Ferriere, Blonskiy, Kerschensteiner, Dewey u.a. Eben diese Namen sowie diejenigen der Vertreter der amerikanischen Humanistischen Psychologie tauchten nun auch wieder im Zusammenhang mit dem Terminus Humanisierung der Bildung in Russland auf.

Bereits 1993 hatte der bekannte russische Pädagoge Geršunskiy eine nach wie vor nicht überwundene dogmatische Auslegung des Prinzips der polytechnischen Bildung und Arbeitserziehung sowie die mangelnde Individualisierung des Lernens in der russischen Schule kritisiert und in diesem Kontext festgestellt, dass man in Russland noch immer nicht die „Möglichkeiten der Humanisierung der Bildung“ ausgeschöpft habe.11 Es ging hier um eine Orientierung auf das Individuum auf der Grundlage entscheidender Veränderungen der pädagogisch-psychologischen und didaktisch-methodischen Arbeit in den Bildungseinrichtungen sowie um deren effektivere Verbindung mit sozialökonomischen Faktoren. Andere russische Pädagogen, hier auch M.N. Berulava, gründeten die Humanisierung der Bildung besonders auf die Humanistische Psychologie und – wie gesagt - auf die Idee einer Integration von Bildungsinhalten, d.h. vor allem einer Orientierung der Bildung an der Ganzheitlichkeit des Menschen, an seinen individuellen geistigen, physischen und seelischen Bedürfnissen. Mitunter tauchte in diesem Kontext auch der Begriff „Humanitarisierung“ auf.12

Deutsche Teilnehmer der genannten Magdeburger Konferenz von 1994 fragten in dieser Diskussion z.B. nach tautologischen Aspekten im Umfeld der Begriffe Bildung und Humanisierung, nach eventuellen Gefahren eines Ungleichgewichts zwischen der Individualitäts- und Sozialitätsbetrachtung, also einer individualistischen Überbetonung und einem zu starken Vertrauen in eine naturgegebene Harmonie in der Erziehung sowie einer möglichen Vernachlässigung sozialer Faktoren, die in manchen pädagogischen Neuorientierungen zu spüren sei. Die „Antinomien pädagogischen Handelns“, etwa das „Individualisierungparadox“, waren in der Bundesrepublik gerade stärker diskutiert worden.13 Auch einige Ansätze im Kontext einer etwas einseitig verstandenen Humanistischen Psychologie und einer damit einhergehenden Amerikanisierung sowie der Idee der Integration der Bildungsinhalte wurden problematisiert. In der BRD gab es bereits seit den 1960er Jahren Diskussionen zum inhaltlich-integrativen Ansatz in der Pädagogik.14

In einigen deutschen Arbeiten wurde aber auch ein Zusammenhang zwischen einer Integration von Bildungsinhalten und einer Humanisierung der Bildung direkt hergestellt. H. Ernst (1993) z.B. sah die Grundlage humanistischer bzw. zu humanisierender Schulpolitik und Pädagogik in einer Theorie ganzheitlichen Lernens auf dem Hintergrund eines ganzheitlichen Menschenbildes. Er ging zunächst ebenfalls von der Humanistischen Psychologie aus, also von dem Werk Goldsteins, Rogers', Bühlers, Maslows u.a. sowie von Allports Psychologischer Anthropologie. Schulpädagogik habe sich mit dem ganzen Menschen zu befassen. Man könnte es mit Pestalozzi und hier auch mit Dewey sehr kurz sagen: mit Kopf, Hand und Herz. V. Buddrus und W. Pallasch schrieben: „Lernen geschieht und vollzieht sich nicht nur im Kopf! (...) Gleichwohl genügt nicht das bloße Hinzufügen von Gefühl und Körper, um eine Änderung zu bewirken.“ Auch hier spielt der Gedanke des ganzheitlichen Lernens eine zentrale Rolle: „In vielen Ansätzen der Humanistischen Pädagogik wird versucht, Elemente dieses einseitig erzeugten Kanons von allgemeinbildenden Wissensbeständen wieder an die beteiligten Menschen zurückzukoppeln. Dies erfolgt mit der Schwerpunktsetzung auf ein persönlich bedeutsames Lehren und Lernen und zum Ausgleich des vorherrschenden wissenschaftszentrierten. Eine solche Umwertung ähnelt den Anstrengungen, die in der Reformpädagogik unternommen wurden.“15 Womit sich auch hier der Kreis zur internationalen Reformpädagogik wieder schloss. Hinsichtlich Russlands erschien das Bild eines zeitweilig unterbrochenen 'Dornröschenschlafes' der nationalen und internationalen Reformpädagogik nicht nur auf die Pädagogik, sondern auch auf Aspekte der Humanistischen Psychologie beziehbar. Im Kontext der Diskussionen über eine „Humanisierung der Bildung“ wurden die reformpädagogischen Implikationen besonders deutlich. R.W. Keck, Nachfolger von M.N. Berulava im Amt des Präsidenten der IAHE, hat später zu einer weiteren definitorischen Klärung beigetragen.16

  1. Die Magdeburger Konferenz von 1994 als Vorbereitungsort der eigentlichen Gründung der IAHE in Biysk 1995

M.N. Berulava hatte mich während der Magdeburger Konferenz gebeten, einige der teilnehmenden Hochschullehrer aus Estland, Lettland, Polen, Tschechien, Russland, Japan und Deutschland zu einer Beratung einzuladen, in der er Möglichkeiten der Beteiligung an einer „Internationalen Akademie zur Humanisierung der Bildung“, erläutern würde. Ich kam dem Wunsch nach, obwohl sich durch diese spontane Änderung des Konferenzablaufs größere organisatorische Probleme ergaben, wodurch die sogenannte 'deutsche Pünktlichkeit' von einigen Teilnehmern berechtigt in Frage gestellt wurde, denn die Beratung dieser Gruppe17 dauerte wohl mindestens zwei Stunden, während die anderen Teilnehmer in einer eher ungemütlichen räumlichen Atmosphäre auf den Fortgang der Konferenz warteten.

M.N. Berulava informierte unter anderem darüber, er habe kurz zuvor diese Akademie in Russland bereits staatlich-rechtlich registrieren lassen. Es wurde klar, dass man dem Terminus „international“ erst durch die Einbeziehung zumindest der anwesenden ausländischen Wissenschaftler gerecht werden konnte. Er konnte außerdem schon auf die von ihm ebenfalls kurz zuvor gegründete und 1994 erstmals erschienene Zeitschrift „Humanisierung der Bildung“ verweisen, die das Wirken der Akademie mit Artikeln internationaler Wissenschaftler aus Pädagogik, Psychologie und anderen Geistes- und Sozialwissenschaften begleiten sollte.

Auf der Grundlage dieser Informationen wurde – wie schon angedeutet - eine lebhafte und zum Teil kontroverse Diskussion über verschiedenste theoretische und praktisch-organisatorische Fragen des Berulava-Vorschlages geführt. Dabei wurde deutlich, dass die Beantwortung dieser Fragen aus den unterschiedlichen (nationalen, internationalen, historischen, aktuellen, disziplinspezifischen usw.) Perspektiven der Teilnehmer eine längerfristige Aufgabe darstellte, die möglicherweise gar nicht endgültig abzuschließen wäre, sondern entsprechend der gesellschaftlichen Entwicklungen immer wieder definitorische Veränderungen erforderte. Einige Teilnehmer wollten u.a. wissen, ob es sich bei der Akademiegründung um eine russische Einrichtung mit internationaler Beteiligung handelt, oder um eine internationale Einrichtung mit Hauptsitz in Russland (Biysk, Moskau oder anderswo); welches die Hauptarbeitsformen, die zeitlichen Dimensionen für Beratungen usw. seien; wie sich die Aktivitäten der Akademie finanzieren sollten; wie die wissenschaftliche Unabhängigkeit der Akademie langfristig gewährleistet werden könne; welche editorischen und redaktionellen Verantwortlichkeiten in Biysk und welche in Magdeburg zu übernehmen wären; wie die Leitung der Akademie zu strukturieren sei usw.

Es wurde vereinbart, dass noch möglichst viele Teilnehmer der Konferenz sowie – über die jeweiligen Gremien – auch darüber hinaus interessierte Personen über die Beratungsergebnisse informiert werden. Es wurde schließlich vorgeschlagen, anlässlich einer von M.N. Berulava zu leitenden Konferenz im Juni 1995 in Biysk zum Thema „Probleme der Humanisierung der Bildung in unserer Zeit“ mit Wissenschaftlern aus möglichst vielen Ländern der Welt, die Diskussion und Klärung der genannten und anderer inhaltlicher und organisatorischer Fragen weiterzuführen. Damit sollte dann die endgültige Etablierung der Akademie erfolgen. Außerdem wurde vereinbart, für die Konferenz in Biysk finanzielle Zuschüsse bei den zuständigen Stellen der jeweiligen Länder zu beantragen. Diese Beratung während der Magdeburger Konferenz war jedenfalls ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Etablierung der IAHE. Die Konferenz als Ganzes hatte aber auch gezeigt, welche neuen Möglichkeiten der internationalen Kooperation auf dem Gebiet der Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften sich durch die Transformationsprozsse ergaben. Ein japanischer Teilnehmer der Konferenz schrieb resümierend, er habe die pädagogische Diskussion auf differenzierte und anregende Weise erfahren sowie Magdeburg als einen „Ort geistiger Vermittlung zwischen Ost und West“ erlebt.18

  1. Der Erste Kongress der IAHE in Biysk 1995

1995 wurde schließlich das Jahr der endgültigen Etablierung der IAHE in der sibirischen Stadt Biysk. Von M.N. Berulava und seinen Kolleginnen und Kollegen war - in Zusammenarbeit mit anderen russischen Einrichtungen - eine internationale Konferenz einberufen worden, die in vieler Hinsicht mit Superlativen beschrieben werden kann. Diese „Erste Konferenz der 'International Academy for the Humanization of Education'“ vom 27. bis 29. Juni 1995 ist zweifellos vielen ausländischen Teilnehmern in unvergesslicher Erinnerung geblieben. Die russischen Kolleginnen und Kollegen zeigten sich als ausgezeichnete Organisatoren und Gastgeber für die über 100 Pädagogen, Philosophen, Soziologen, Psychologen, Historiker und anderen an der Grundidee der Akademie interessierten Wissenschaftler aus Russland, den GUS-Staaten, Groß Britannien, Deutschland, Frankreich, den USA, Kanada, Tschechien und Polen. Hier in Biysk wie auch in Sochi, dem späteren Sitz der IAHE, zeigte sich die inhaltliche Gestaltungskraft und Professionalität der russischen Organisatoren. Neben dem gedrängten, aber gut geordneten Konferenzprogramm mit vielen Beiträgen der russischen und ausländischen Teilnehmer kamen die kulturellen und kulinarischen Genüsse nicht zu kurz. Besonders hier war sie erlebbar - die vielgerühmte 'russische Seele', wie sie 'leibt und lebt', die sprichwörtliche russische Gastfreundschaft. Unvergessen auch der herrliche Aja-See und die beeindruckende Landschaft in der Nähe des Konferenzortes. Mit einigem Unbehagen dachte ich zurück an unsere hinsichtlich der materiellen Ausstattung vergleichsweise (sehr) ärmliche Magdeburger Konferenz von 1994, bin mir aber sicher, dass es anderen ausländischen Teilnehmern ähnlich ging. Im Übrigen war und ist die üppige Ausgestaltung solcher Konferenzen in Russland (jedenfalls, wenn sie von M.N. Berulava und seinem Kollegium organisiert werden) nicht die Ausnahme, sondern die Regel, was sich auch in den späteren Konferenzen der IAHE in Sochi am Schwarzen Meer zeigte und bis heute zeigt.

In der Einladung19 für die Konferenz in Biysk wurden u.a. folgende Bereiche besonders angesprochen, sich mit dem Problemkreis „Humanisierung der Bildung“ zu beschäftigen: Philosophie und Kulturologie; Theorie und Geschichte der Bildung und Berufsbildung; Pädagogische und Entwicklungspsychologie; Innovationen in Theorien zur Persönlichkeitsentwicklung. Berulava hatte schon vor dieser Konferenz die russische Öffentlichkeit und besonders die regionalen und lokalen Medien auf sein Projekt aufmerksam gemacht und dabei auch auf die zukunftsträchtige Kooperation mit der Magdeburger Universität sowie auf deren internationale Konferenz von 1994 verwiesen.20 Damit war auch im regionalen gesellschaftlichen Umfeld der Stadt Biysk der Boden für eine großzügige Unterstützung der ansässigen Institutionen bereitet – im Übrigen eines der Erfolgsgeheimnisse bei der Organisierung solcher Unternehmungen durch M.N. Berulava. Diesem Prinzip ist er bis heute in seinen diversen Funktionen und Arbeitsbereichen21 treu geblieben. Ein weiteres Prinzip war und ist die aktive und geschickte Einbeziehung ausländischer Kooperationspartner in die konkrete Durchführung der Konferenzen, z.B. durch deren verantwortliche Mitarbeit in Programmkommissionen, als Beisitzer in Plenarsitzungen oder Moderatoren von Diskssionsrunden sowie bei der redaktionellen Betreuung der Publikation von Konferenzbeiträgen usw. Umfangreiches Informationsmaterial sowie auch die vorab eingereichten und in einer Broschüre publizierten Thesen der Vorträge gehörten ebenso zur Vorbereitung der Konferenz.22

Während dieser Konferenz waren Beschlüsse der Teilnehmer aus 16 Ländern diskutiert und schließlich verabschiedet worden. Um die teilweise sehr pessimistischen Stimmungen, brisanten politischen Positionen und Perspektiven in der ersten Hälfte der 1990er Jahre, also kurze Zeit nach den gravierenden politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen zu charakterisieren, füge ich einige längere Passagen aus dem in Russisch, Englisch und Deutsch verfassten Dokument23 an. Erkennbar wird hier eine Abkehr von einer zu einseitigen Orientierung auf die Individualität und einer Vernachlässigung der Sozialität der Persönlichkeit. Offensichtlich hatten sich hier die Positionen einiger deutscher (z.B. R.W. Keck) und anderer westlicher Diskutanten bereits niedergeschlagen, denn in Russland war die Diskussion nach meiner Beobachtung in den ersten Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht frei von individualistischen Überhöhungen – vermeintlich als Abkehr von traditionell kollektivistischer Pädagogik. Es heißt in dem Dokument u.a.: Eine „Krise des Humanismus auf allen Gebieten der Kultur und der Gesellschaft hält alle Industrienationen derzeit gefangen. (…) Die große Tradition des Humanismus' ist angesichts der Omnipotenz der technischen Entwicklung bis hin zu globalen ökologischen Katastrophen beinahe ohnmächtig geworden. Die moderne Technik enthumanisiert die menschlichen Beziehungen und erniedrigt sie zu bloßen technischen Funktionen (…). Der Zustand einer demoralisierten Gesellschaft ist nicht zuletzt auch an der derzeitigen geistigen Verfassung Russlands absehbar. Die Massenkultur orientiert sich an den primitivsten Instinkten des Menschen und verbreitet Gewaltbereitschaft und Egoismus. (…) Doch festzustellen ist auch dies: Ein gutes Erziehungs- und Bildungssystem, das sich an den Idealen des Humanismus orientiert, ist ein wichtiger Garant gegen die fortschreitende Dehumanisierung der Gesellschaft. Nicht zuletzt sind es die Humanwissenschaften Philosophie, Psychologie und Pädagogik, die die menschlichen Werte in den Vordergrund rücken können, um das Ideal einer demokratischen Gesellschaft existenzfähig zu halten, denn dies ist in hohem Maße auf die Ausbildung der Persönlichkeit, die Entfaltung ihrer geistigen Autonomie angewiesen. Für das Bildungswesen bedeutet das Wort 'Humanismus' eine Orientierung der Pädagogik sowohl in Richtung auf soziale Verantwortung als auch auf die persönliche Freiheit. Auf dieser dialektischen Einheit beruhen Entfaltung und Erhaltung der Menschenwürde. Das Pathos einer solchen humanistischen Pädagogik findet seine Rechtfertigung in einer durch Gemeinsinn und gemeinsames Handeln geprägten Zukunftsperspektive.“

Es wird in dem Papier unterstrichen, dass die Teilnehmer der Konferenz hierin übereinstimmen und beschließen, dass

  • die Gründung der Internationalen Akademie zur Humanisierung der Bildung, eine humanistische Bildungsreform und die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Pädagogen, Philosophen, Soziologen und Psychologen aus den vertretenen Ländern als dringende Forderungen der Zeit betrachten;

  • die Zeitschrift dieser Akademie (Гуманизация Образования / Humanisierung der Bildung / Humanization of Education) die entsprechenden wissenschaftlichen Ansätze zur Persönlichkeitserziehung darstellen soll;

  • die Aufmerksamkeit der politischen und wirtschaftlichen Kräfte in der Welt auf das Problem der Humanisierung der Bildung zu lenken;

  • zur Erfüllung dieser Absichten und damit zur Verbreitung der Idee der Humanisierung der Bildung die Einberufung von Kongressen der Akademie alle zwei Jahre erfolgen soll.24

Mit der Konferenz von 1995 war eine wirklich internationale Vereinigung von Vertretern der Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften geschaffen worden, die die Humanisierung der Bildung als historisch begründete, zeitgemäße und zukunftsträchtige Aufgabe betrachtet.

Das bedeutete nicht, dass es in der Folgezeit keine unterschiedlichen Positionen zwischen (zum Beispiel) russischen und deutschen Mitgliedern der Akademie über bestimmte, mit dem Begriff „Humansierung der Bildung“ verbundene, Aspekte gab. Die in der o.g. Beschlussfassung beschriebene „dialektische Einheit“ bzw. Gewichtung von Individualität und Sozialität der Persönlichkeit war noch einige Jahre später (und ist es wohl auch bis heute) unterschiedlich interpretiert worden. Dies lässt sich z.B. auch zeigen an einigen Publikationen der russischen Seite.25

  1. Fremdsprachliche und fachlich-terminologische Herausforderungen

Eine derartige internationale Vereinigung hat immer auch fremdsprachliche und terminologische Herausforderungen26 zu bewältigen. Wer hat nicht schon internationale Konferenzen erlebt, in denen die Referate aufgrund mangelnder Beherrschung der jeweiligen Konferenzsprachen (natürlich meistens Englisch), oder wegen fachlich-terminologischer Übersetzungsprobleme mehr oder weniger nur akustisch zur Kenntnis genommen werden können. Oft gibt es divergierende historische, kulturelle und andere Entwicklungen, Erfahrungen und Wahrnehmungen in den jeweiligen Ländern, die zu terminologischen Verständigungsproblemen führen können. Das kann einerseits ein andauerndes Problem solcher Vereinigungen sein, ist andererseits aber auch eine Quelle immer neuer inhaltlicher Herausforderungen, Fragestellungen und Erklärungsansätze für alle Beteiligten. Die Arbeit der IAHE war und ist in besonderer Weise von dieser Problematik betroffen. Nicht nur bei der speziellen Arbeit an den Publikationsorganen der Akademie, sondern auch generell geht es in der Kooperation und Kommunikation, die ja in der IAHE zumeist in drei Sprachen stattfindet (Russisch, Englisch, Deutsch) immer auch darum, der jeweiligen Sprache mit ihren terminologischen Erfordernissen, Besonderheiten und Vorzügen gerecht zu werden. Zugleich geht es auch darum, internationale Standards zu beachten und die Übersetzungen intentional und inhaltlich verständlich zu halten. Sprachliches Verstehen schafft aber nicht per se auch kulturelles Verständnis. Gelungene sprachliche und kulturell adäquate Kommunikation ist Voraussetzung für wirkliche Kooperation in Theorie und Praxis, eine Kooperation, die nicht nur auf dem Papier steht. Mehrsprachigkeit, zumindest aber Zweisprachigkeit kann ein wichtiger Beitrag zu einer solchen Kommunikation sein. Wir wissen, dass Mehrsprachigkeit bis jetzt eher ein Vorzug jener kleineren Völker ist, deren Sprache nicht zugleich auch Weltsprache ist. Andererseits wissen wir auch, dass Menschen, die eine (bzw. die gegenwärtige) Weltsprache (Englisch) als Muttersprache sprechen, aus zum Teil verständlichen Gründen nicht besonders motiviert sind, sich weitere (oder wenigstens eine der wichtigsten) anderen Sprachen anzueignen, von Ausnahmen abgesehen.

Natürlich wäre es für das bessere gegenseitige Verstehen, aber auch für die spezielle wissenschaftlich-terminologische Kommunikation hilfreich, wenn man über die jeweilige Landessprache des Gesprächspartners einen authentischen Zugang zu dessen Sozialisationsinstanzen, -medien, und –faktoren hätte. Der Begründer der russischen Pädagogik, Konstantin D. Ušinskiy (1824-1870) hatte darauf verwiesen, dass „Religion, Natur, Familienleben, Überlieferungen, Poesie, Gesetze, Industrie, Literatur - alles, was das historische Leben eines Volkes ausmacht, die wirkliche Schule ist“, und dass gegenüber dieser Kraft die Kraft der Bildungseinrichtungen völlig bedeutungslos sei, zumal, wenn sie auf Künstlichkeit und Oberflächlichkeit aufgebaut sei.27 Echte fremdsprachliche Kommunikation war für ihn nicht das „leere Geschwätz am Teetisch“, sondern das Verstehen des Geistes, der Seele dieser Völker und der von ihnen geschaffenen Literatur.28 Es ist aber in der nahen Zukunft realistischer Weise keine generelle Änderung der Situation zu erwarten, und deshalb wird es auch weiterhin erforderlich sein, z.B. deutsche, aber auch und besonders russische wissenschaftliche Publikationen in die gegenwärtige Weltsprache Nr. 1 zu übersetzen. Das ist z.B. auch erforderlich, um die interessante wissenschaftlich-theoretische und praktische Transformation der Bildung, Erziehung und Sozialisation in Russland verfolgen und tiefer verstehen zu können.

Auch Wissenschaftler der IAHE nutzen im Gespräch mit ihren internationalen Kooperationspartnern oft wissenschaftliche Termini, die auch durch eine spezifisch nationale Konnotation geprägt sind. Es gibt natürlich auch den nicht seltenen Fall, dass Termini bereits in die internationale Wissenschaftssprache Eingang gefunden haben, also in allen beteiligten Ländern eine gleiche Interpretation zulassen. Oftmals werden auch nationale Besonderheiten sichtbar, die – auf den ersten Blick – den Diskurs erschweren, auf den zweiten Blick aber den jeweiligen Terminus und die damit verbundenen theoretischen und praktischen Einsichten bereichern können. Es gibt in diesem Kontext unvermeidbar scheinende assimilative Prozesse, die gegenwärtig oft Anpassung an das Englische sind. Die besondere, spezifische Version, der unveräußerliche Wert der anderen Sprachen sollte aber nicht 'auf der Strecke' bleiben. All dies wird dann relevant, wenn die jeweilige internationale Kooperation nicht mehr nur auf dem vielzitierten geduldigen Papier steht, sondern konkrete gemeinsame Projekte in Forschung und Lehre in Angriff genommen werden. In einer solchen Phase der Kooperation scheint sich die Akademie permanent zu befinden. Da sind Wörterbücher hilfreich, die im Sinne einer Juxtaposition wesentliche Begriffe und Elemente der Kooperation aus der Sicht der unterschiedlichen Sprachen inhaltlich nebeneinander stellen, wobei klar wird, dass sie sich sowohl ähneln als auch voneinander unterscheiden oder sogar voneinander unabhängig sein können. Es gibt Beispiele für solche wissenschaftlichen Hilfsmittel. Hier möchte ich nur das von Akteuren der IAHE herausgegebene russisch-deutsche Buch „Schul- und Hochschulmanagement: 100 aktuelle Begriffe“ nennen («Менеджмент средней и вышей школы: 100 новых понятий»)29. Optimal wäre es für unsere Kooperation, wenn wir etwas Ähnliches für unseren russisch-englisch-deutschen Diskurs hätten. In diesem Kontext könnte auch das „Handbook of Educational Terms & Applications“30 eine Anregung sein. Beachtenswert ist auch das umfangreiche Projekt der Erarbeitung eines mehrbändigen Russisch-Deutschen Wörterbuches (RDW) durch Magdeburger und andere Sprachwissenschaftler.31

Diese Problematik wurde bereits während der Konferenz von 1995 deutlich, aber mehr noch durch die redaktionelle Arbeit an den beiden Publikationsorganen der IAHE, der Zeitschrift und dem seit 1998 erschienenen Jahrbuch (beide erscheinen - mitunter irritierend - unter dem gleichen Haupttitel „Humanisierung der Bildung“.32 Alle bisher erschienenen Artikel in beiden Periodika werden von meinem Kollegen Dr. Janusch Daum bibliographisch erfasst und demnächst in meiner Homepage33 verfügbar gemacht. So werden sich sich zumindest von den Titeln der Beiträge auch die Schwerpunkte der weiteren Diskussionen innerhalb der IAHE sowie in der weiteren scientific community ablesen lassen. Während die Zeitschrift weiterhin von einem Redaktionskollegium um M.N. Berulava und G.A. Berulava betreut und in Sochi veröffentlicht wird, wurden die Jahrbücher 1998 bis 2002/03 von meinem Kollegen Dr. Wolfgang Mayrhofer (Universität Magdeburg), R.W. Keck (Universität Hildesheim) und mir redigiert und im Peter Lang Verlag herausgegeben. Seit 2005/06 wird das Jahrbuch von H.-U. Grunder und R.W. Keck im Schneider Verlag Hohengehren herausgegeben.34

Bereits 1995 in Biysk konnte der aufmerksame Beobachter den Eindruck gewinnen, dass der Organisator dieser großen internationalen Konferenz, M.N. Berulava, mit seinen Aufgaben als damaliger Prorektor des Pädagogischen Instituts Biysk eher unterfordert war und ein umfassenderes und stärker unabhängiges Wirkungsfeld seinen Fähigkeiten besser entsprach. Hinzu kamen offensichtlich auch einige hochschulpolitische Kontroversen mit der damaligen Hochschulleitung. Dies fand jedenfalls seinen beredten Ausdruck in einem für eine wissenschaftliche Zeitschrift eher ungewöhnlichen, das politische Umfeld der Leitung anklagenden Artikel Berulavas in der Zeitschrift Gumanizaciya Obrazovaniya35. Wie dies auch immer zu bewerten war, es war eine Abrechnung mit bestimmten (aus Sicht Berulavas nicht mehr zeitgemäßen) Ansichten und Haltungen, und es war der Schlusspunkt unter seiner Tätigkeit in Biysk.

Berulava wechselte in das sonnige Sochi am Schwarzen Meer. Ich versage mir hier, auf die diversen, nicht nur klimatischen Unterschiede zwischen diesen beiden russischen Städten zu verweisen. Wer Sochi kennt weiß, dass dieser Ort keiner touristischen Werbung bedarf. Und auch die bildungswissenschaftlichen Einrichtungen in Sochi haben große Anziehungskraft für in- und ausländische Gäste, darunter besonders die von der Berulava-Gruppe geschaffenen. Eines der Beispiele dafür war die im November 1996 in Sochi von Galina36 und Michail Berulava in Kooperation mit staatlichen russischen Bildungseinrichtungen organisierte Konferenz zum Thema „Entwicklung der schöpferischen Fähigkeiten unter den Bedingungen der Humanisierung der Bildung“, an der ich – zusammen mit R. W. Keck und Walter Eisermann - teilgenommen hatte.

Nicht nur die Teilnahme an dieser Konferenz, sondern auch andere Reisen von Mitgliedern der Akademie zu den jeweiligen Konferenzorten standen immer stärker unter dem Vorbehalt der Finanzierungsmöglichkeiten. Bekanntlich führten (und führen) fast alle Wege in russische Städte, z.B. Sochi, über Moskau. Hier angekommen musste man z.B. in den 1990er Jahren in Moskau entweder unerträglich viele Stunden auf den Weiterflug warten oder einen zusätzlichen Hotelaufenthalt in Moskau einplanen. Dieses Mal hatte uns V.P. Borisenkov seine Moskauer Wohnung für die Übernachtung vor dem Weiterflug nach Sochi zur Verfügung gestellt.

7. Gründung eines Fördervereins und andere strukturelle Veränderungen

Die für eine internationale Vereinigung unerlässliche Reisetätigkeit stößt wohl immer an finanzielle und materielle Grenzen, und so wurde das Jahr 1997 auch für die Arbeit der Akademie vor allem geprägt durch die verstärkte Diskussion von Finanzierungsfragen. Neben der ständig auftretenden Frage der Kosten für Konferenzen und andere Aktivitäten ging es aber auch darum, wie die Druckkosten der inzwischen geplanten Herausgabe eines Jahrbuches der IAHE aufzubringen wären. Nicht nur deswegen, sondern auch im Interesse einer Effektivierung der Informationsstrukturen innerhalb der jeweiligen nationalen Mitgliedergruppen und ihrer besseren internationalen Kooperation sollten Fördervereine bzw. Filialen der Akademie in den einzelnen Ländern gegründet werden. Durch dafür zu erhebende Mitgliedsbeiträge und auch durch dadurch mögliche Aquirierung von Fördermitteln und Spendeneinzahlungen von Mitgliedern und Sympathisanten sollte der Finanzbedarf für Konferenzen, Publikationen usw. zumindest teilweise gedeckt werden.

Mir ist nicht bekannt, ob - außer in Deutschland – in einem anderen der beteiligten Länder etwas Ähnliches gelang. Die Gründung eines solchen deutschen Fördervereins wurde schließlich durch die maßgebliche Initiative von R.W. Keck möglich. Gestützt auf seine diesbezüglichen Erfahrungen sowie in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus Hildesheim und Magdeburg konnte er die aufwendigen rechtlichen, bürokratischen und technischen Herausforderungen an die Gründung eines solchen Gremiums beispielhaft bewältigen. Noch heute könnten entsprechende Initiativen in anderen Ländern von diesen Erfahrungen profitieren.

Am 24. Januar 1997 wurde an der Universität Hildesheim der „Förderkreis der Internationalen Akademie zur Humanisierung der Bildung“ gegründet. Ein noch zu erwartender Beitrag von R.W. Keck, dem gewählten Vorsitzenden des Vorstandes dieses Förderkreises, wird die damalige engagierte Arbeit im Interesse der IAHE beleuchten. Er konnte die Mitglieder am 12. November 1997 darüber informieren, dass „wir endlich etwas durchatmen (können). Die Hürde über die Zulassung als gemeinnütziger Verein und die Eintragung in das Vereinsregister ist geschafft. (…) Inzwischen ist auch ein Konto bei der Kreissparkasse Hildesheim (…) eröffnet worden.“37 Mit der Gründung dieses Fördervereins, der auch für ausländische Mitglieder offen sein sollte, entstand nicht nur ein notwendiger struktureller Orientierungs- und Haltepunkt für die deutschen Akademiemitglieder, sondern auch für die Akademie als Ganzes. Ich war vom Vorstand um die Federführung bei der Herausgabe des Jahrbuches gebeten worden, deshalb war die Gründung des Vereins sowohl aus struktureller Hinsicht, als auch wegen der damit verbundenen, zumindest teilweisen finanziellen Unterstützung des wichtigsten Publikationsorgans der Akademie – neben der in Sochi und Moskau erscheinenden Zeitschrift - wichtig.38

Im Vorstand des Fördervereins war – wie gesagt – beschlossen worden, dass die hauptsächliche redaktionelle Arbeit am Jahrbuch „Humanisierung der Bildung“ in Magdeburg geleistet wird. Die Beiträge kamen natürlich nicht nur von Mitgliedern der Akademie. Eine bibliographische Übersicht über alle wesentlichen Beiträge wird zeigen39, welcher Aufwand bei der gutachterlich-wissenschaftlichen, redaktionellen und organisatorisch-technischen Arbeit zu leisten war. Natürlich waren wir bestrebt, die Dokumentation der Quellen, die Zitierweise, das Format der Beiträge usw. so einheitlich wie möglich zu halten. Obwohl es drucktechnische Orientierungen gab, mussten aber doch viele Beiträge mehrmals an die Autoren zur Überarbeitung zurückgeschickt werden. Beim redaktionellen Umgang mit wissenschaftlichen Beiträgen aus zum Teil sehr unterschiedlichen Ländern erfahrene Kollegen wissen gut, wovon die Rede ist. In diesem Kontext gab und gibt es z.B. zwischen deutschen und russischen Beiträgern einen zum Teil erheblichen Unterschied im Umgang mit Quellen, Zitaten usw. Eine weitere Herausforderung war auch unser Anspruch, die Beiträge in der von den Autoren präferierten Sprache (Russisch, Deutsch oder Englisch) erscheinen zu lassen und jedem Beitrag ein summary in den jeweiligen anderen Sprachen anzufügen. Diese und andere Probleme mussten neben der steten Sorge um die Finanzierung der Druckkosten sowie neben der beruflichen Haupttätigkeit als Hochschullehrer bewältigt werden. Die Arbeit am Jahrbuch war zweifellos eine besondere Bürde, zugleich aber auch eine bereichernde Erfahrung. Durch diese redaktionelle Tätigkeit wurden bestehende wissenschaftliche Beziehungen gefestigt, neue Kontakte aufgebaut und Diskussionen für die weitere Arbeit der Akademie angeregt. Nicht wenige der in den Jahrbüchern von 1998 bis 2002/03 veröffentlichten Beiträge haben sowohl aktuelle als auch perspektivische Relevanz. Leider hatten wir nicht die erforderliche Strategie zur Verbreitung und Werbung für das Jahrbuch entwickelt.

Erwähnt hatte ich noch nicht, dass ich in dieser Zeit sowohl für den Förderkreis als auch für die IAHE insgesamt so etwas wie das 'Faktotum' war. Das euphemistische „Geschäftsführer“ stand zwar im Briefkopf der Korrespondenzen, aber das im Englischen umgangsprachlich gebräuchliche „Gofer“ war wohl zutreffender. Mit einer solchen Funktion waren nicht nur inhaltlich interessante sowie fremdsprachlich herausfordernde Arbeiten verbunden, sondern auch viele kleinschrittige, ermüdende bürokratische Aktivitäten, die es zeitlich immer schwieriger machten, die sonstigen bzw. eigentlichen Aufgaben als Hochschullehrer in Lehre, Forschung und akademischer Selbstverwaltung zu bewältigen. Die aus dieser Zeit vorhandenen Protokolle der Mitgliederversammlungen des Förderkreises und der Akademie sowie die Berichte über Akademiekonferenzen spiegeln den mit dieser Funktion verbundenen großen zeitlichen Aufwand nicht wider.

Ein weiteres wichtiges Ereignis war das vom 7. bis 11. September 1998 an der Universität Hildesheim durchgeführte Internationale Symposium zum Thema „Didaktik im Kontext (post-)moderner Pädagogik und Konzeptionen zur Humanisierung der Bildung. Theoretische und praktische Aspekte des Paradigmenwechsels in Ost und West“ und die anschließende Mitgliederversammlung des Fördervereins der IAHE. Die Organisation war nach meiner Erinnerung fast vollständig von den Hildesheimer Kollegen übernommen worden. Die Ergebnisse dieses Symposiums wurden unter Leitung von R.W. Keck publiziert.40

Im Vorfeld der für 2000 einberufenen Konferenz der IAHE in Sochi hatte M. Berulava um Entlastung aus der Funktion des Präsidenten gebeten und vorgeschlagen, ein neues Präsidium zu wählen. Der Förderverein erarbeitete unter Leitung von R.W. Keck einen Vorschlag für ein neues Statut der Akademie, dass in Sochi diskutiert wurde und zur Abstimmung kam.41 R. W. Keck war während dieser Konferenz zum neuen Präsidenten und M.N. Berulava zum Ehrenpräsidenten der IAHE gewählt worden.

8. Kommunikationsprobleme innerhalb der IAHE

Im Weiteren möchte ich nur einige Ereignisse im Umfeld und in der Folge der IAHE-Konferenz erwähnen, die im September 2002 an der Fakultät für Bildungswissenschaften der Freien Universität Bozen (Tagungsort: Brixen, Tirol) stattfand. Unter Federführung von Prof. Dr. Werner Wiater (Universität Augsburg) war die Konferenz vorbereitet und durchgeführt worden. Programmatisch ging es um die damals wie heute brisante Thematik „Schule in der Fremde – Fremde in der Schule. Heterogenität, Bilingualität – kulturelle Identität und Integration42. Die Bozener Konferenz gehörte aus meiner Sicht zu den in inhaltlicher Hinsicht anregendsten in der Geschichte der IAHE, und die im Umfeld der Konferenz organisierten Exkursionen in die Dolomiten blieben vielen Teilnehmern in sehr angenehmer Erinnerung.

Gleichwohl schien sich nach meiner Beobachtung in dieser Zeit eine gewisse ideelle und institutionelle Entfremdung zwischen den russischen und einigen deutschen Hauptträgern der Akademie zu zeigen. Gründe für diese sich im Laufe der Jahre verstärkende Tendenz waren - aus heutiger Sicht - wohl nicht nur wissenschaftlich-konzeptionelle Differenzen, sondern auch einige organisatorische Unebenheiten, die sich m.E. aus der mangelnden Abstimmung zwischen der bisherigen Magdeburger und einer neuen Hildesheimer Geschäftsführung der Akademie ergaben. Während der Jahreshauptversammlung der Akademie, die im Rahmen der Konferenz durchgeführt wurde, hatte ich erklärt, dass ich aus den weiter oben angedeuteten Überlastungsgründen das Amt des Geschäftsführers nicht weiter ausüben wollte. Ich hatte mich leider auch im Vorfeld der Konferenz nicht mehr in deren Vorbereitung eingebracht. Die Hildesheimer hatten viele organisatorische Aufgaben in kurzer Zeit zu lösen. Eine kleine Episode mag die besondere Situation vielleicht illustrieren: Es wurden neue Mitglieder aufgenommen. Ich erinnere mich z.B. an die überraschten Gesichter einiger vermeintlich 'neuer' russischer Kollegen, denen - verbunden mit einer kleinen Laudatio - die Urkunde feierlich übergeben wurde. Unter ihnen befand sich z.B. der Rektor der Universität Biysk, Prof. Dr. Konstantin Koltakov, der aber bereits anlässlich der 1995er Konferenz in Biysk als eines der ersten Mitglieder aufgenommen worden war, schließlich selbst einer der Mitbegründer der Akademie war und natürlich bereits stolzer Besitzer einer (nach russischer Sitte 'goldgerahmten') Urkunde … Auch einige außerhalb der akademischen Sphäre zu suchenden, von Vorbehalten geprägten Begleitumstände trugen zu einer Eintrübung der Verständigungsbereitschaft und im weiteren Verlauf der Jahre bis etwa 2004 schließlich zur faktischen Trennung zwischen den deutschen und russischen Organisationsstrukturen der IAHE bei. Hinzu kam, dass einige hinzugekommene Vertreter weiterer russischer Institutionen keine adäquaten Beziehungen zu der Berulava-Gruppe entwickelten. Ab einem bestimmten Zeitpunkt gab es nur noch sehr sporadische gegenseitige Informationen über jeweilige akademische Aktivitäten.

In den Jahren nach 2002 kam es immer wieder zu terminlichen Überschneidungen der von M.N. Berulava einerseits und der IAHE-Leitung andererseits geplanten Konferenzen. Ausländische Mitglieder und Interessenten der Akademie, die sowohl an den Berulava-Veranstaltungen als auch an den Akademie-Veranstaltungen teilnehmen wollten, konnten dies wegen der Überschneidungen nicht. Es gab also sowohl die alljährlich im September in Sochi ausgerichtete internationale Konferenz als auch die Konferenz der IAHE, die - zwar nur alle zwei Jahre – dann aber genau zum Zeitpunkt der Sochi-Konferenz abgehalten wurde. Es handelte sich eigentlich um ein kleines, durchaus lösbares organisatorisches Problem, aber es wurde als solches weder von der Akademie noch in Sochi erkannt, und wegen mangelnder bzw. gar nicht mehr funktionierender Konversation schwand das Interesse an der jeweils anderen Seite rapide.

Die Situation spitzte sich zu, als im Kontext einer im russischen Nowgorod durchgeführten IAHE-Konferenz der Verdacht aufkam, die zum gleichen Zeitpunkt stattgefundene Berulava-Konferenz sei von M.N. Berulava und mir als Konkurrenz-Veranstaltung zum Schaden der IAHE geplant und durchgeführt worden.43 Schon bald danach entschuldigte sich jedoch ein Präsidiumsmitglied im Namen der IAHE bei mir für diesen faux pas.44 Die Beiträge dieser Konferenz von 2004 wurden übrigens 2006 in einem Sammelband veröffentlicht.45

Allerdings führten die genannten und andere organisatorische Ereignisse innerhalb der IAHE sowie auch eine in dieser Zeit wachsende Gleichgültigkeit der Kollegen in Sochi an der Aufrechterhaltung der Korrespondenz mit dem IAHE-Präsidium endgültig zu einer längeren 'Funkstille' zwischen beiden Seiten. Hinzu kamen die damals äußerst aufwendigen, komplizierten russischen Visa-Bestimmungen, die nicht eben die Reisefreude erhöhten. Inzwischen hatten sich auch die von M.N. Berulava in Sochi und Moskau gegründeten Bildungseinrichtungen46 so stark etabliert und entwickelt, dass sie die volle Konzentration der dortigen Akteure erforderten, sodass von einer Kooperation mit der IAHE nicht mehr gesprochen werden konnte.

Ich habe zwischen 2004 und 2011 auch als Gastprofessor an der kanadischen University of Lethbridge gearbeitet sowie verschiedene kanadisch-deutsche Austauschprojekte betreut.47 Meine besonderen Verbindungen mit Kanada wurden u.a. durch Dr. Kas Mazurek, Professor für Historische und Vergleichende Erziehungswissenschaft und Dr. Margret Winzer, Professorin für Rehabilitationspädagogik begründet. Kas Mazurek hatte ich bereits in Biysk 1995 kennengelernt und Maggie Winzer 1996 auf einer Konferenz im polnischen Krakow. Meine Arbeit zwischen 2004 und 2011 war angefüllt mit diversen internationalen Aktivitäten, z.B. als Mitglied der Russischen Akademie der Bildung in Moskau und deren Konferenzen, als Mitglied der Internationalen Slawischen Akademie in Tiraspol (Moldawien; Pridnestrovye) u.a.

Dennoch habe ich mich bemüht, gemeinsam mit R.W. Keck und der späteren Präsidentin der IAHE, Prof. Dr. Olga Jaumann-Graumann, die Kontakte zu den Kollegen in Sochi nicht vollends aufzugeben. Im Jahr 2009 fand die Konferenz der IAHE in Hildesheim statt, deren Ergebnisse 2010 publiziert wurden48, und im September desselben Jahres die von M.N. Berulava organisierte Konferenz in Sochi. Bei dieser Gelegenheit lernte ich Prof. Dr. Arthur Ellis von der Seattle Pacific University (USA) kennen, der mich zu Vorträgen an seine Einrichtung einlud, und der auch zu Arbeitsbesuchen und Vorträgen an der Universität Magdeburg weilte. Inzwischen treffen wir uns auch regelmäßig in Sochi zu den jährlichen Konferenzen und arbeiten an gemeinsamen Projekten im Bereich der historisch-vergleichenden Erziehungswissenschaft. Er führt auch die Kooperation mit meiner Nachfolgerin an der Universität Magdeburg, Prof. Dr. Solvejg Jobst49, weiter.

9. Ausblick

Wann auch immer die Einladungen zu den Konferenzen der IAHE zur Sprache kamen, beklagten unisono sowohl die US-amerikanischen als auch die kanadischen und andere ausländische Kolleginnen und Kollegen immer wieder, dass die Konferenzen der IAHE und diejenigen in Sochi zur selben Zeit stattfinden. Wir fragten uns, ob dies ein für beide Seiten (IAHE und Sochi) unlösbares Problem sein und bleiben müsse. Ich sprach darüber auch mit der Präsidentin der IAHE, O. Graumann, sowie mit R.W. Keck. Beide waren wie auch ich der Meinung, dass diese Unstimmigkeiten überwindbar seien; schon eine Abstimmung der Konferenztermine könnte eine Entspannung der Situation bewirken. Da die jährlichen Konferenzen in Sochi seit langem russlandweit auf die zweite Septemberwoche festgelegt waren, schlugen wir vor, die alle zwei Jahre stattfindenden Konferenzen der IAHE in der jeweiligen dritten Septemberwoche, auf jeden Fall aber nach der Sochi-Konferenz abzuhalten. Leider konnte dies wegen bereits erfolgter Planung der IAHE noch nicht für das Jahr 2012 realisiert werden.50 Es besteht aber die realistische Hoffnung, dass dies im Jahr 2014 der Fall sein wird. Die Eigenständigkeiten beider Seiten können natürlich nicht mehr in Frage gestellt werden. Die Möglichkeiten der Wiederherstellung vernünftiger Beziehungen sollten jedoch verantwortungsbewusst und vorurteilsfrei genutzt werden, ganz im Sinne der eigentlichen, urspünglichen Zielstellungen und im Interesse der effektiveren Nutzung der auf beiden vorhandenen wissenschaftlichen und materiellen Ressourcen.

____________________________________________________
Anmerkungen:

1 Die russische Bezeichnung der Akademie ist: „Международная Академия Гуманизации Образования“ (МАГО); die deutsche Bezeichnung: „Internationale Akademie zur Humanisierung der Bildung“. Inzwischen wird – zur Vermeidung von Missverständnissen sowie dem Internationalisierungstrend folgend – fast nur noch die englische Version (einschließlich des Kürzels IAHE) genutzt.

2
Siehe dazu die Beiträge in: Krüger, H.H. / Marotzki, W. (1994) (Hrsg.): Pädagogik und Erziehungsalltag in der DDR. Opladen: Leske + Budrich; Cloer, E. / Wernstedt, R. (1994) (Hrsg.): Pädagogik in der DDR. Weinheim: Deutscher Studienverlag; Marotzki, W. (1993) (Hrsg.): Wieviel Pluralismus braucht der Mensch? Eine Hochschule sucht ihre Identität. Weinheim: Deutscher Studienverlag; Steinhöfel, W. (1993) (Hrsg.): Spuren der DDR-Pädagogik. Weinheim: Deutscher Studienverlag

3
In den von mir archivierten Dokumenten gibt es einen verblichenen, inzwischen nur noch mit Lupe lesbaren ORMIG-Abzug eines Kooperationsvertrages als Ergebnis des damaligen Gesprächs (siehe Nachschrift im Dokumentenanhang).

4 Zajakin, O. (2004): Die Herbart-Rezeption in der russischen Pädagogik seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geschichte des Herbartianismus. Münster: LIT Verlag. (Dies war der erste Band einer von R.W. Keck und mir im LIT Verlag herausgegebenen Buchreihe mit dem Titel „Historisch-vergleichende Studien zum Internationalen Bildungsdialog“.)

5 Retter, H. (1995): Die Beziehungen Peter Petersens zu osteuropäischen Ländern in den dreißiger Jahren - unter besonderer Berücksichtigung Polens. In: Böttcher, L. / Golz, R. (Hrsg.): Reformpädagogik und pädagogische Reformen in Mittel- und Osteuropa. Münster: LIT Verlag, S. 78-116

6
Eisermann, W. (2008): Zwischen Gewalt und Frieden in einem doppelgesichtigen Jahrhundert. Hamburg: Verlag Dr. Kovac

7
Golz, R. (1995): Zur Renaissance der Reformpädagogik als Teilaspekt pädagogischer Neuorientierungen in ausgewählten Ländern Osteuropas. In: Böttcher, L./Golz, R. (Hrsg.): Reformpädagogik und pädagogische Reformen in Mittel- und Osteuropa. Münster: LIT Verlag, S. 10-30; Гольц, Р. [Golz, R.] (2001): Проблемы cравнения постановки вопросов немецкой и русской педагогики в современном процессе трансфомации. [Problems of Comparison of German and Russian pedagogical issues in the present transformation process.] В: Гуманизация Образования. Москва / Сочи, № 1 / 2000, стр. 91-126 (published both in German and Russian); Golz, Reinhard (1998): A Component of Paradigmatic Shift in Education: The Renaissance of Reform Pedagogy (Progressive Education) in Central and Eastern Europe. In: Golz, R. / Keck, R.W. / Mayrhofer, W. (Hrsg.): Humanisierung der Bildung. Jahrbuch 1998. Frankfurt a. M.: Peter Lang, S. 189-206

8
Böttcher, L. / Golz, R. (1995) (Hrsg): Reformpädagogik und pädagogische Reformen in Mittel- und Osteuropa. Münster: LIT Verlag

9
Vgl. Berulava, M. / Koltakov, K. / Zajakin, O. (1995): Zur Geschichte der Integration der Bildungsinhalte – Schritte auf dem Weg zur Humanisierung der russischen Bildung. In: Böttcher, L. / Golz, R. (1995) (Hrsg): Reformpädagogik und pädagogische Reformen in Mittel- und Osteuropa. Münster: LIT Verlag, S. 159-180; Berulava, M.N. (1995): Zur Arbeit einer modernen Schule im Kontext der Humanisierung der Bildung. In: Golz, R. / Keck, R.W. / Mayrhofer, W. (Hrsg.): Humanisierung der Bildung. Jahrbuch 1998. Frankfurt a.M. (et al.): Peter Lang, S. 15-27

10
Vgl. Keck, R.W. (1998): Editorial: Zur Humanisierung der Bildung. In: Golz, R. / Keck, R.W. / Mayrhofer, W. (Hrsg.): Humanisierung der Bildung. Jahrbuch 1998. Frankfurt a. M.: Peter Lang, S. 9-14; Golz, Reinhard (1998): A Component of Paradigmatic Shift in Education: The Renaissance of Reform Pedagogy (Progressive Education) in Central and Eastern Europe. In: Golz, R. / Keck, R.W. / Mayrhofer, W. (Hrsg.): Humanisierung der Bildung. Jahrbuch 1998. Frankfurt a. M.: Peter Lang, S. 189-206

11
Geršunskij, B.S. (1993): Russland: Bildung und die Zukunft. Tscheljabinsk (russ.)

12
Vgl. Sincenko, V.P. (1993): Humanitarisierung der Bildung. In: Russische Pädagogische Enzyklopädie. Moskau (russ.); Golz, R. (1995): Zur Renaissance der Reformpädagogik als Teilaspekt pädagogischer Neuorientierungen in ausgewählten Ländern Osteuropas. In: Böttcher, L. / Golz, R. (Hrsg.): Reformpädagogik und pädagogische Reformen in Mittel- und Osteuropa. Münster: LIT Verlag, S. 10-30; Golz, R. (2001): Terminologische Erkundungen zum Verhältnis von Ethnizität und Pädagogik im gegenwärtigen Russland. In: Humanisierung der Bildung. Jahrbuch 2001. Frankfurt a.M. (et al.): Peter Lang, S. 86-105

13
Helsper, W. (1995): Pädagogisches Handeln in den Widersprüchen der Moderne. In: Krüger, H.-H. / Helsper, W. (Hrsg.): Einführung in Grundbegriffe und Grundfragen der Erziehungswissenschaft. Opladen, S. 30

14
Vgl. Semmerling, R. (1989): Integration. In: Lenzen, D. (Hrsg.): Pädagogische Grundbegriffe. Band 1. Stuttgart: Rowohlts Enzyklopädie, S. 740-750

15
Buddrus, V. / Pallasch, W. (1995): Annäherungen an die integrative Pädagogik. In: Buddrus, V. (Hrsg.): Humanistische Pädagogik. Bad Heilbrunn, S. 15-25

16
Vgl. Keck, R.W. (2000): Zehn Grundsätze für eine Humanisierung der Bildung im Lichte des Dialogs über pädagogische Reformen in Ost und West. In: Gumanizacija Obrazovanija. Moskau – Sochi, Nr. 1/2000, S. 23-35

17
Teilnehmer dieser Beratung waren:  aus Russland: Prof. Dr. Michail N. Berulava, Prof. Dr. Galina A. Berulava, Dr. Oleg R. Zajakin;  aus Deutschland: Prof. Dr. Reinhard Golz, Prof. Dr. Rudolf W. Keck, Dipl.-Pol. Werner Korthaase, Dr. Wolfgang Mayrhofer; Dr. Wendelin Sroka;  aus Tschechien: Prof. Dr. Karel Rydl, Prof. Dr. Jiri Vacek;   aus Polen: Prof. Dr. Jan Zebrowski.  Die nachfolgend aufgeführten Kollegen konnten aus veranstaltungsorganisatorischen Gründen an dieser Beratung nicht teilnehmen, wurden aber anschließend über die Beratungsergebnisse informiert. Sie haben sich – ebenso wie die oben genannten Teilnehmer – grundsätzlich positiv zu dem Hauptanliegen des Berulava-Vorschlages geäußert, wobei auch sie die oben gestellten Fragen als noch weiter diskussionsbedürftig angesehen haben. Es handelt sich um Kollegen:  aus Estland: Prof. Dr. Jiri Orn;  aus Russland: Prof. Dr. Valentin Pilipovskij, Dr. Michail V. Klarin;  aus Polen: Prof. Dr. Stefan Rudnik, Dr. Henryk Porozynski;  aus Lettland: Prof. Dr. Ludwig Grundulis, Prof. Dr. Imants Plotnieks.

18
Miyazaki,T. (1995): Magdeburg – ein Ort geistiger Vermittlung zwischen Ost und West. In: Böttcher, L. / Golz, R. (Hrsg.): Reformpädagogik und pädagogische Reformen in Mittel- und Osteuropa. Münster: LIT Verlag, S. 308-310

19
The 1st International Congress on the Problem of Humanization of Education: Program. Biysk: RPC 1995

20
Vgl. „Altajskaja Pravda“ vom 6.12.1994 sowie „Vestnik Instituta“ (Staatl. Pädagogisches Institut Biysk) vom 1.1.1995

21
Siehe Fußnote 43 + Internetpage

22
Berulava, M.N. / Krayevsky, V.V. / Bestuzhev-Lada, I.V. / Golz, R. (1995) (Eds.): The 1st International Congress on the Problem of Humanization of Education: Abstracts of Papers. Biysk: RPC 1995

23
Privatarchiv Golz

24
Die deutschsprachige Version des Dokuments enthält den Vermerk: „C:\WINWORD\KECK\KONGRES1.DOC/gedr. 14.07.95“

25
Vgl. Berulava, M.N. (1998): Individualisierung der Bildung als notwendige Bedingung einer Humanisierung des Bildungs- und Erziehungsprozesses. Sochi: Russ. Akademie der Bildung. Institut für Theorie der Bildung und Pädagogik (Filiale Sochi) (russ.)

26
Vgl. Golz, R. (2000): Probleme des Vergleichs deutscher und russischer Fragestellungen der Pädagogik im gegenwärtigen Transformationsprozess. In: Humanisierung der Bildung. Internationale Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie. Moskau / Sotschi (in Russisch und Deutsch), Nr. 1/2000, S. 90-125; Golz, R. (2001): A Comparison of Intercultural Education in Germany, Canada, and Russia. In: Gumanizaciya Obrazovaniya. Moscow / Sochi, Nr. 1/2001, pp. 77-90; Golz, R. (2001): Terminologische Erkundungen zum Verhältnis von Ethnizität und Pädagogik im gegenwärtigen Russland. In: Humanisierung der Bildung. Jahrbuch 2001. Frankfurt a.M. (et al.): Peter Lang, S. 86-105

27
Ušinskiy, K.D. (1948): Über die Volkstümlichkeit in der öffentlichen Erziehung. In: Gesammelte Werke. (11 Bände) Bd. 2. Moskau/Leningrad: Verlag der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften, S. S. 148 (russ.)

28
Vgl. Ušinskiy, K.D. (1960): Die Gymnasialpädagogik Karl Schmidts. In: Archiv K. D. Ušinskiys. Bd. 2. Moskau: Verlag der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften, S. 49 (russ.)

29
Graumann, O. (u.a.) (Hrsg.) (2004): Schul- und Hochschulmanagement: 100 aktuelle Begriffe. (Менеджмент средней и вышей школы: 100 новых понятий) Hildesheim: Universitätsverlag

30
Ellis, A.K. / Fouts, J.T. (1996): Handbook of Educational Terms and Applications. Princeton: Eye on Education

31
Vgl. Belentschikow, R. (Hrsg.) (2003-2011): Russisch-Deutsches Wörterbuch. Im Auftrag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. Wiesbaden: Harrassowitz (1: А-В – 2003, 2: Г-Е – 2003, 3: Ж-Й – 2004, 4: К – 2005, 5: Л-М – 2006, 6: Н - 2008, 7: O – 2009; 8: П-ПОДЗОНА – 2011); siehe auch: http://www.russisch-und-mehrsprachigkeit.de/2010/04/neues-mitglied-prof-renate-belentschikow/

32
Es handelt sich um das in Deutschland erscheinende Jahrbuch „Humanisierung der Bildung. Jahrbuch der Internationalen Akademie zur Humanisierung der Bildung“ und um die in Russland erscheinende Zeitschrift „Humanisierung der Bildung. Psychologisch-Pädagogisches Internationales Journal“. Die Titel beider Publikationsorgane werden in drei Sprachen (Deutsch, Russisch, Englisch) ausgewiesen: Humanisierung der Bildung; Гуманизация Образования (Gumanizaciya Obrazovaniya); Humanization od Education.

33
www.reinhard-golz.de (Rubrik: Texte)

34
Grunder, H.-U. / Keck, R.W. (Hrsg.): Humanisierung der Bildung. Jahrbuch 2005/2006. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren

35
Vgl. Berulava, M.N. (1996): Aufruf des Präsidenten der Internationalen Akademie zur Humanisierung der Bildung an die Leser der Zeitschrift. In: Gumanizaciya Obrazovaniya, Nr. 1/1996, S. 3-4 (russ.)

36
Dr. Galina A. Berulava, Professorin für Psychologie; Direktorin des Instituts des Instituts für Bildungstechnologie der „Russischen Akademie der Bildung, Rektorin der „International Innovative University“ in Sochi (Russland); Autorin mehrerer Bücher zu methodologischen und anderen Aspekten und Problemen der Psychologie, z.B.: Берулава, Г.А. (2009): Методология современной психологии. Москва — Воронеж: Издательство НПО «МОДЕК»; Берулава, Г.А. (2009): Методологические ориентиры современной психологии. Москва: Издательство Университета РАО

37
Schreiben des Vorsitzenden des Förderkreises, R.W. Keck, vom 12. November 1997 (Privatarchiv Golz)

38
R.W. Keck beschäftigt sich in seinem Beitrag (S. ???) mit der Zeit seiner Tätigkeit als Vorsitzender der Fördervereins und als späterer Präsident der Akademie. Deshalb sowie auch aus anderen, noch zu erklärenden Gründen werde ich im Folgenden nur noch einige wenige Anmerkungen zur Arbeit der Akademie zwischen 1997 und 2002 machen.

39
Siehe Fußnote 33.

40
Keck, R.W. (Hrsg.): Didaktik im Zeichen der Ost-West-Annäherung. Zur Didaktik im Kontext (post-)moderner Pädagogik und Konzeption zur Humanisierung der Bildung. Münster/Hamburg/London, LIT Verlag 1999, S. 127-139

41
Ich verweise hier auf die entsprechenden, zum Teil (bei R. Golz oder auch im Präsidium der IAHE) archivierten Protokolle.

42
Keck, R.W. / Rudolph, M. / Whybra, D. / Wiater, W. (Hrsg.) (2004): Schule in der Fremde – Fremde in der Schule. Heterogenität, Bilingualität – kulturelle Identität und Integration. Münster: LIT Verlag

43
Der Brief des damaligen Präsidenten der IAHE vom 11. Oktober 2004 an mich (Privatarchiv Golz) zeigte ungewollt die damaligen organisatorischen Probleme der IAHE auf, andererseits aber auch das besondere Engagement der beteiligten Personen für die Sache der Akademie. In dem Brief des IAHE-Präsidenten mit dem ultimativen Betreff „Aufforderung zur Klärung“ heißt es u.a., dass sich die Versammlung in Nowgorod irritiert darüber gezeigt habe, „dass etliche Mitglieder sich kurzfristig abgemeldet haben oder ihre bereits erfolgte Anmeldung ebenso kurzfristig zurückgezogen haben – mit der Begründung, sie nähmen an einer Konferenz zum selben Thema in Sochi teil.“ Ich sollte Fragen beantworten: nach dem Thema und den Initiatoren der Tagung in Sochi, und ob sie etwa unter der Flagge der Akademie gelaufen sei. Zum Zeitpunkt dieser Konferenz war ich in Kanada. Nach meiner Rückkehr hatte ich in meinem Antwortschreiben vom 01. November 2004 aufgezeigt, wie abenteuerlich die Unterstellungen waren. 2004 hatte ich Lehraufträge und Arbeitsgespräche an der University of Lethbridge sowie dem Alberta Distance Learning Centre (Kanada) absolviert, meinen Urlaub in den USA verbracht, in Russland an der Konferenz der Russischen Akademie der Bildung in der Burjatischen Hauptstadt Ulan-Ude am Baikalsee teilgenommen, war schließlich nochmals in Kanada, auf einer Inspektionsreise an drei Universitäten – im Kontext eines von mir eingeworbenen studentischen Austauschprogramms der EU und Kanadas. Nun sollte ich also auch noch die Zeit gefunden haben, mit M.N. Berulava eine Konkurrenz-Veranstaltung zu organisieren! Dem IAHE-Präsidium war offensichtlich nicht klar, dass es das Fehlen vieler ursprünglich angemeldeter Teilnehmer der Konferenz selbst verschuldet hatte. In Kanada hatten mir bereits vier Kollegen (Mitglieder der IAHE) mit großer Verärgerung gesagt, dass sie nicht nach Nowgorod reisen konnten, weil die Konferenzleitung der IAHE den Termin der Konferenz einfach verändert habe, nachdem sie bereits ihre Tickets geordert hätten, die nur mit viel Aufwand noch storniert werden konnten.

44
Handschriftlicher Brief von R.W. Keck an R. Golz vom 17.11.2004 (Privatarchiv Golz).

45
Vgl. Keck, R.W. / Rudolph, M. / Whybra, D. / Grunder, H.-U. (2006) (Hrsg.): Modernisierung der Bildung – Modernisierung durch Bildung. Herausforderungen und Impulse. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengeheren

46
Neben vielen anderen Funktionen ist M.N. Berulava z.B. Rektor der Universität der Russischen Akademie der Bildung in Moskau, Präsident der „International Innovative University“ in Sochi, Deputierter der Staatsduma der Russischen Föderation (http://urao.edu/institute/page/mainpage; http://www.miu-sochi.ru.)

47
Vgl. Beuchling, O. / Golz, R. (Eds.) (2005): Teaching Experiences in Canadian Schools. University of Magdeburg; Golz, R. (Ed.) (2005). Internationalization, Cultural Difference and Migration (...). Münster: LIT Verlag

48
Vgl. Graumann, O. / Pevzner, M. / Rudolph, M. / Diel, I. (2010) (Hrsg.): Hochschule und Schule in der internationalen Diskussion: Chancen und Risiken neuer Entwicklungen. [Проблемы развития вуза и школы: новые возможности и риски.] [Universities and Schools: An International Burning Issue: Opportunities and Risks in Present-Day Developments.] Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren

49
http://www.iibf.ovgu.de/

50
Die Konferenz der IAHE steht unter dem Thema „Konzeptionen und Strategien lebenslangen Lernens im internationalen Kontext“ und findet in diesem Jahr in Nowgorod und St. Petersburg statt. Das diesjährige Thema der Konferenz in Sochi lautet: „Stand und Perspektiven der höheren Bildung in der gegenwärtigen Welt“. Beide Konferenzen finden in der zweiten Septemberwoche 2012 statt. (Weitere Informationen: http://www.iahe.eu/   und   http://miu-sochi.ru/page/english.html)


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Die russische Version befindet sich in:
 https://sites.google.com/site/golzreinhard/meshdunarodnaya-academia-gumanizaciya-obrazovania




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